AUSZUG AUS MEINEN TEXTEN DAZU:
GITTI SCHNEIDER:
Gletscherfahnen in den Wind geschrieben. . .
Eis
Alles auf Eis gelegt. Kannst du dir
vorstellen, dass wir jemals wieder weiter machen
werden, sagt er schüchtern zu ihr. Morgen fällt
vielleicht Schnee, viel Schnee. Dann müssen wir
wieder warten. Die Übersicht zu behalten wird
immer unmöglicher. Ein so großes Bedürfnis nach
Liebe, nach guten Seelen ... und jetzt auf Eis
gelegt. Auftauen musst du. Dann muss es schnell
gehen, sonst, wer weiß - alles umsonst. Alles zu
spät. Er holt tief Luft und versucht sich zu
orientieren.
Im Tal werden schon Vorkehrungen getroffen.
Niemand kann eine Einschätzung geben. Niemand hat
schon so lange gelebt, dass er was wüsste, nicht
einmal aus Erzählungen oder aus Aufzeichnungen.
Was hat der Gletscher alles gespeichert.
Objekte, Pickel, Steigeisen, Seile, Körper, auch
Leid und Angst und Freude, Verzweiflung und Glück.
Das wird nie jemand je sehen, aber es ist da.
Das alles ist spürbar.
Ephemer
Im Eis, tief drinnen, Hunderte Meter tief, das
Charisma einer Frau, eines Mannes.
Zuerst nur kurz vom Schnee bedeckt.
Tag um Tag vergeht und jetzt ist alles
vereist. Jetzt ist keine Eile mehr angesagt.
Trotzdem noch hastig die Luft eingeatmet, eh sie
ihr Element verändert hat.
Glacé, Glacier, Firn, Ferner, Gletscher
sprechen eine andere Sprache.
Nie wirst du eine Antwort auf deine Fragen
hören.
Selbst, wenn du die Sprache verstündest.
Werden deine Kinder, Kindeskinder nie hören, nie
verstehen.
Berlin 2023
„Ich bin die Weberin oder bin ich gewebt.
Ich liebe Textiles jedenfalls.
Stoffe, Papiere, Teppiche, Gewebe in schöner Qualität.
Bedeutend ist, worauf ich gehe, stehe.
Es ist ein oranger Teppich, kein roter -
Na ja, Gott sei Dank.
Lieber energievolles Leben als Bedeutungsschweres in Bordeauxrot. Zum Weben braucht man Zeit, viel Zeit.
Angst vor der Ewigkeit und auch die Lust zur Ruhe.
So schwingt es hin - so schwingt es her.“



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